HPTA
Seit Mai 2002 bieten wir an unserem Institut die Heilpädagogisch-Therapeutische Ambulanz (HPTA) mit 11 Plätzen für Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis zwölf Jahren an. In diesem Rahmen bieten wir Hilfe zur Erziehung für Kinder an, die schwierigen Lebensbedingungen ausgesetzt sind und durch abweichendes Verhalten in ihren sozialen Bezügen deutlich auffallen. Neben der Einzel- und Gruppentherapie, der intensiven Einbeziehung der Eltern bzw. Erziehenden, der Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Personen im sozialen Netzwerk des Kindes und seiner Familie sowie der Schul- und Lernförderung, liegt ein wichtiger Schwerpunkt der Maßnahme bei der aufsuchenden Familien- und Umfeldintervention, dass heißt wir arbeiten mit den Kindern in deren sozialem Nahraum. Die HPTA ist damit eine wichtige Einrichtung im Landkreis Coburg und unterstützt die psycho-soziale Versorgung von mehrfach belasteten Familien.
Die Konzeption des IPSG-Zentrums beinhaltet eine sorgfältige psycho-soziale Diagnose und die Entwicklung eines individuellen pädagogisch-therapeutischen Behandlungsplans, der sich sowohl an den Bedürfnissen als auch an den spezifischen Defiziten und den Ressourcen des jeweiligen Kindes und seiner Familie in ihrem sozialem Lebenskontext orientiert.
Die Aufnahme eines Kindes erfolgt in einer gemeinsamen Entscheidung durch das Amt für Jugend und Familie des Landkreises Coburg und IPSG-Zentrum. Die Kriterien für die Ermittlung des heilpädagogischen Förderbedarfs orientieren sich an der Problematik des Kindes und den Bedingungsfaktoren in der Herkunftsfamilie. Basis unserer Datenerhebung ist eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung zwischen den MitarbeiterInnen und den Bezugspersonen, die den Erziehenden die Möglichkeit geben soll, über ihre Probleme zu sprechen und in der Zusammenarbeit mit ihnen Handlungskompetenzen zu entwickeln und ihren Kindern wieder mehr zuzutrauen.
Ziel der Maßnahme ist die Entwicklung und Stabilisierung von sozialen Basiskompetenzen und die langfristige bessere Eingliederung des Kindes und seiner Familie in ihren sozialen Nahraum. Die sich in der ambulanten heilpädagogisch-sozialtherapeutischen Hilfe stellenden Aufgaben beziehen sich auf folgende Bereiche:
psycho-soziale diagnostische Abklärung der individuellen Problematik des Kindes
- Abklärung der schulischen Bedingungsfaktoren, Schul- und Lernförderung
- Einbindung des Kindes in eine Gruppe, gruppenpädagogische und gruppentherapeutische Arbeitsbeziehung
- pädagogisch-therapeutische Einzelförderung
- Erfassen der Problematik im Familiensystem und Familienberatung bzw. Beratung der Eltern/Bezugspersonen
- Aktivierung der Familien-Ressourcen und Eingliederung in das soziale Netzwerk am Wohnort der Familie
- ggf. Kooperation bzw. Hinzuziehung weiterer Fachdienste
In der Maßnahme arbeiten als Fachkräfte der Klinischen Sozialarbeit vier Diplom Sozialpädagogen (FH), eine Diplom-Psychologin (alle mit Zusatzausbildungen in Beratungs- bzw. Therapieverfahren), ein staatl. anerkannter Erzieher, zwei Praktikantinnen der Sozialen Arbeit und weitere Helfer im sozialen Nahraum mit. Wichtige Voraussetzungen für die Qualitätssicherung in der Maßnahme ist die regelmäßig stattfindende Supervision und Fortbildung der Mitarbeiter.
Die Umsetzung des Konzeptes verlangt nach wie vor ein großes fachliches und persönliches Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um den Kindern einen förderlichen Rahmen zu geben, in dem sie ihre eigenen Fähigkeiten zur Veränderung ihres Verhaltens erfahren und stärken können.
In der Zusammenarbeit mit den Familien zeigten sich deren latente und aktivierbare Ressourcen in der Veränderung der Lebensbedingungen in ihrem Familiensystem und in ihrem Lebensraum. Die Beziehungen in den Familien wurden durch mehr Verständnis füreinander positiv verändert und stabilisiert, einige Kinder begannen sich in Sportvereinen in ihren Gemeinden zu engagieren, anderen gelang es Freundschaften mit Gleichaltrigen aufzubauen und zu halten.
Vor allem im schulischen Bereich zeigt sich die Notwendigkeit und Möglichkeit der Zusammenarbeit mit den Eltern, Klassenlehrern und -lehrerinnen und der Erfolg dieser intensiven Kommunikation. Allen Kindern gelang eine Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit und -motivation. Dies zeigte sich zum einen in der Verbesserung der Schulnoten und zum anderen in der verbesserten Akzeptanz des Kindes im Klassenverband. Diese Erfolge in einem für die Kinder selbst steuerbaren Bereich bildeten einen wichtigen Faktor für die Erhöhung der Selbstwirksamkeitsüberzeugung der Kinder und zeigte Auswirkungen auf deren Vertrauen, auch in anderen schwierigen Bereichen ihres täglichen Lebens positive Veränderungen durch eigenes Handeln bewirken zu können.
Besonders in der Gestaltung unseres Ferienprogramms zeigt sich die förderliche Gruppenatmosphäre. Die Kinder sind den ganzen Tag im IPSG Zentrum. Jedes Kind entscheidet sich zu Beginn der Woche für sein eigenes Wochenprogramm, was es mit wem gerne tun möchte und welche Aufgaben es sich stellt, die es am Ende der Woche vollendet haben muss. Hierbei erfährt das Kind seine eigene Entscheidungskompetenz (auch manchmal das Leid und den Ärger einer "Fehlentscheidung"), seine Selbstwirksamkeit und damit seine Möglichkeit die Gruppensituation mit zu gestalten. Dabei ist für uns Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer wieder festzustellen, dass sich die Kinder weniger "action", sondern eher das intensive Arbeiten und Spielen rund um das IPSG-Zentrum wünschen. Sie lassen sich auf Werkstücke ein, die Feinmotorik und Geduld brauchen und sind sehr zufrieden mit sich, wenn sie diese vollendet haben. Sie freuen sich auf die tägliche "Ruhepause", in der vorgelesen wird, in der man nichts tun muss, sondern sich einen eigenen Platz aus Kissen und Decken gestaltet und sich entspannen kann.
Seit Bestehen der Heilpädagogisch-Therapeutischen Ambulanz (HPTA) im Jahr 2002 besuchten und besuchen 58 Kinder die Maßnahme. Bei der überwiegenden Mehrzahl können folgende Veränderungen im Verlauf von ca. 1 Jahr festgestellt werden:
- Erfolgreiche Vernetzungsarbeit mit Einrichtungen (insbesondere Schule, Ärzte)
- Bessere Bewältigung der kognitiven und sozial-emtionalen Entwicklungsaufgaben (graduell erfolgreiche Zielerreichungen)
- Entlastung des Familiensystems (z.B. durch verbesserte Kommunikation; besseres Verstehen des Kindes durch die Eltern) und Stärkung der familiären Ressourcen
- bessere Integration in ihren sozialen Nahraum (bspw. Nachbarschaft, Sportverein)
- Integration in den Verband der Schulklasse
- bessere Schulleistungen und Verringerung der schulischen Probleme
- Abbau psychischer und sozialer Auffälligkeiten und Störungen